Zur Keltenzeit, also um 800 v. Chr. bis 50 n. Chr. dürfte Unteraichen noch nicht als Siedlungsplatz vorhanden gewesen sein, obwohl im Weilerwald Grabhügel und im Wispelwald bei Oberaichen eine Viereckschanze die Anwesenheit der Kelten belegen. Ebenfalls belegt ist die Anwesenheit der Römer auf der heutigen Gemarkung Unteraichens durch die Entdeckung der Fundamente eines römischen Gutshofs beim Bau des Autohauses Stollsteimer. Dieses Anwesen lag an der Römischen Straße, die von Vaihingen über den Heilbrunnen (heute Möhringer Freibad) und die Stuttgarter Straße entlang der Schönbuchstraße nach Böblingen führte. Vermutlich erfolgte die Ansiedlung Unteraichens zwischen 700 und 1000 durch Alemannen oder auch Franken, die sich zwischen den alemannischen Siedlungen (Ortsnamen haben die Nachsilbe -ingen) niederließen. Die erste urkundliche Erwähnung von Unteraichen wird in einer Urkunde des Klosters Bebenhausen aus dem Jahre 1229 belegt, zu dem Unteraichen zunächst gehörte, bevor es an die Grafen von Württemberg fiel. Zwischen 1524 und 1819 wurde Unteraichen vom sogenannten „Leinfelder Ämtlein“ verwaltet, zu dem auch neben Leinfelden selbst die Filderorte Oberaichen, Musberg, Stetten, Weidach und Hof gehörten.

Im Jahr 1827 bestand Unteraichen aus 45 Gebäuden, die in 28 Gehöften zusammengefasst waren. Der Ort hatte etwa 200 Einwohner. Vor dem 2. Weltkrieg lebten in Unteraichen rund 400 Einwohner, nach dem Krieg 700 Einwohner. Heute hat Unteraichen ca. 5.500 Einwohner.

1897 wurde Unteraichen an die Filderbahnlinie angeschlossen, die von Degerloch kommend nach Möhringen und dann über Unteraichen direkt nach Echterdingen und weiter bis nach Neuhausen fuhr. Diese Linie wurde 1924 zur Straßenbahnlinie umfunktioniert, die dann ab 1928 elektrifiziert auf einer neuen Trasse über Leinfelden bis zur Endhaltestelle Echterdingen fuhr. Im Jahr 1920 wurde eine neue Eisenbahnstrecke auf den Fildern in Betrieb genommen, die vom Bahnhof Vaihingen auf der heutigen S-Bahnstrecke über den Bahnhof Leinfelden bis zum Endbahnhof Neuhausen fuhr. Ab 1928 dampfte die Schönbuchbahn auf dem heutigen Bundeswanderweg durch das Siebenmühlental bis Waldenbuch. Die Strecke zwischen Leinfelden und Waldenbuch wurde bereits 1956 wegen Unrentabilität eingestellt.

Im Jahr 1926 schlossen sich die Orte Leinfelden, Unteraichen und Oberaichen zur Gemeinde Leinfelden zusammen. 1938 wurde Leinfelden dem Kreis Böblingen zugeordnet. Mit der Gemeindereform 1975 und dem Zusammenschluss der Gemeinden Leinfelden, Echterdingen, Stetten und Musberg zur Stadt Leinfelden-Echterdingen, wurde Leinfelden dem Landkreis Esslingen zugeordnet.

Inhalte aus dem “Heimatbuch Leinfelden” und dem Heimatbuch “640 Jahre Unteraichen” recherchiert.

 

Aus der Oberamtsbeschreibung Stuttgart 1851

„Der Weiler Unteraichen mit eigener Markung liegt 2 ¼ Stunden südwestlich von Stuttgart ¼ Stunde nördlich von Leinfelden und ½ Stunde nordöstlich von dem kirchlichen Mutterort Musberg auf der freien Filderebene hinter Obstbäumen versteckt. Das Wohlstand verratende, mit gutem Trinkwasser versehene Örtchen ist mit den Orten Leinfelden und Oberaichen durch chaussierte, mit den Gemeinden Möhringen und Echterdingen durch unchaussierte Wege in Verbindung gesetzt.

An dem südöstlichen Ende des Ortes steht das 1844 erbaute Schulhaus mit der Schullehrer-Wohnung, dem Ratszimmer und dem Gemeindebackofen. Gegenwärtig werden die Toten noch in Musberg beerdigt: es ist aber bereits ein Platz für einen Kirchhof angekauft.“ (Dies ist heute der alte Friedhof an der Kreuzung Stuttgarter Straße/Hohenheimer Straße)

 

Heimatlied Mein Ober- und mein Unteraichen

Im wunderschönen Schwabenland,
am Schönbuch- und am Filderrand.
Im Frühling, wenn der Tag erwacht,
da grüßt aus seiner Blüten Pracht:

Mein Ober- und mein Unteraichen
Mir gibt die Welt nicht deinesgleichen;
Du meiner Kindheit Paradies
Du Heimat, die ich ewig grüß!

Hier lauschte ich der Mutter Wort.
Den ersten Traum, ich träumt ihn dort.
Und traute Dörflein ein und aus,
sie winken mir zum Vaterhaus.

Mein Ober- und mein Unteraichen
Mir gibt die Welt nicht deinesgleichen;
Du meiner Kindheit Paradies
Du Heimat, die ich ewig grüß!

Und führt man mich zur letzten Ruh
Hinauf, ganz sacht dem Walde zu,
raunt von den Bäumen, leis und lind,
mir noch ins Grab der Heimat Wind:

Mein Ober- und mein Unteraichen
Mir gibt die Welt nicht deinesgleichen;
Du meiner Kindheit Paradies
Du Heimat, die ich ewig grüß!

Text: Fr. Kleinbeck
Vertont wurde das Lied von Chormeister Karl Rebholz, Liederkranz Unteraichen

 

Historische Karten und Luftbild von Unteraichen